Wie neue Materialien die Textilwirtschaft nachhaltig verändern. „Nie war die Bereitschaft zum nachhaltigen Konsum so groß wie heute“, sagt Thomas Perry vom Heidelberger Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision. Den bewussten und mündigen Konsumenten von heute, die sich nicht blenden lassen und gut informiert sind, genügt es längst nicht mehr, gute Qualität zu einem niedrigen Preis zu kaufen. Sie möchten wissen, wo die Produkte hergestellt werden, die sie kaufen.
Shopping hat eine politische Dimension bekommen: „Jeder Kaufakt ist eine Entscheidung.
Vom Yuppie zum Lohas. Der Öko-Gedanke ist seit dem Yuppie-Jahrzehnt der 90er Jahre, das viele erfolgreiche Geschäftsleute hervorbrachte, Common Sense und gesellschaftlich etabliert. Die Yuppies sind tot. Es leben die Lohas, die Anhänger des Lifestyle of Health and Sustainability. Im Gegensatz zum rein egoistischen Ansatz der Yuppies legen sie besonderen Wert auf ein bewusstes und ethisch korrektes Leben vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit. “Schon heute kaufen Lohas für 500 Milliarden Dollar pro Jahr weltweit nachhaltige Produkte”, sagt Martina Hoffhaus, Mitbegründerin des Lohas-Kompetenznetzwerks . Unternehmen sind gezwungen, auf diese neue Entwicklung zu reagieren. Damit zusammen hängt auch, dass Lohas verstärkt in den Fokus der Marktforscher und Markenartikler rücken. Eine Auswertung der BRIGITTE KommunikationsAnalyse 2008 bestätigt, dass nachhaltiger und ethisch motivierter Konsum unter deutschen Frauen längst ein Massenphänomen ist.
Eco leather - the new luxury. Dass Grün längst keine Marktnische mehr ist, sondern ein globaler und übergreifender Trend, der alle Lebensbereiche durchdringt, haben auch namhafte Designer wie Michael Michalsky erkannt: „Der moderne Konsument verhält sich mehrdimensional und vereint mühelos paradoxe Lebensformen: Man fährt mit dem Luxusauto zum Biomarkt.
Im Rahmen von Norintra Pure Nature erscheint Ende des Jahres eine weitere Kollektion – diesmal unter Verwendung von „Ökoleder“. Für diesen Begriff gibt es zwar keine offizielle Definition, auch haben der Internationale Gerberverband sowie die Union der Internationalen Gerbereichemiker-Verbände noch keine Kriterien festgelegt, die ihn konkret definieren, doch kann man die Qualität des „Ökoleders“ am derzeit aktuellsten und strengsten Prüfsiegel „IVN Naturleder“ des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. erkennen. Die Kollektion ist „die Antwort auf das Wissen um die Bedeutung nachhaltiger Herstellungsverfahren und das wachsende Nachhaltigkeitsbewusstsein unserer Anspruchsgruppen“, sagt Annett Koeman, die Leiterin des Designcenters. Allerdings, so schränkt sie ein, kann man „das qualitativ beste Kleidungsstück haben, aber wenn es nicht attraktiv ist, wird es niemand tragen wollen“.
Unternehmen statt managen. Wer auf Qualität setzt, misstraut Kommunikations- und Marketingaktionen, die nicht aus gewachsenen, nachhaltigen Voraussetzungen entstehen. Dazu gehört, dass diejenigen, die für Qualität bürgen, ihrer Berufung folgen und nicht nur einen Job machen.
Die einzige Sicherheit für Verbraucher bieten bisher nur Prüfsiegel wie das IVN Naturleder. Es beinhaltet, so Walter Rudolf Czech, „dass keine Haut von wild lebenden und bedrohten Tierarten verwendet werden darf. Der Vorwurf von Kritikern, dass Ökoleder nicht so „haltbar“ sei, ist relativ. Was bedeutet „haltbar“? Ein Leben lang?
Ganzer Artikel Leder als Passion (38.71 kB)
Alexandra Hildebrandt - Arcandor AG
|