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Südtirol: natürlich voller Energie Drucken E-Mail

Side Story
The Story of Stuff

Kaffeebecher, Kekspackungen, Schuhe, Handys, DVDs – unser Alltag besteht aus einer Menge solcher Dinge. Wie entsteht dieses Zeug, wo kommt es her und was machen wir damit, wenn wir es nicht mehr brauchen? Die engagierte Umweltaktivistin Annie Leonard geht diesen Fragen auf anschauliche Weise nach und zeigt die Folgen unserer Wegwerfgesellschaft. Annie Leonard wurde vom Time Magazine als »Umweltheldin« ausgezeichnet. Als Expertin für Umwelt und Gesundheitsfragen war sie für verschiedene NGOs wie Greenpeace International oder International Forum on Globalization tätig. Durch ihren Internet-Film The Story of Stuff wurde sie weltweit einem Millionenpublikum bekannt. > thestoryofstuff.de
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Bergbewohner sind Querdenker. Sie haben keine Angst vor Höhen, begrüßen verwegen die Einsamkeit auf dem Gipfel, schätzen die Herausforderung und sind stolz, wenn sie dem Berg etwas abgetrotzt haben, was er nicht freiwillig hergibt. Das Leben in den Bergen kostet Kraft. Gleichzeitig ist der Berg ein Energiespender. Physikalisch, physisch, aber auch psychisch: Wer es nach oben geschafft hat, dem öffnet sich der Blick.

 

Oben entstehen neue Ideen. „Südtirol wurde mit seiner Lage am Schnittpunkt der italienisch und deutschsprachigen Welt seit jeher von zwei Kulturen beeinflusst. Auch das hat dazu beigetragen, dass es bei den Menschen eine gewisse Offenheit für Neues gibt“, sagt Stefano Dal Savio, Koordinator des Bereichs „Energie & Umwelt“ im TIS Innovation Park in Bozen. Das Dienstleistungszentrum für innovative Unternehmen TIS (Techno Innovation Südtirol) hat es sich zum Ziel gesetzt, die Innovationskultur in Südtiroler Unternehmen zu fördern: Mehrere Expertenteams unterstützen beim Finden von Ideen und bei deren Umsetzung.

In den Tälern und auf den Almen rund um das UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten wird aber nicht nur quer, sondern auch grün gedacht: „Südtirol investiert bereits seit vielen Jahren in die Nutzung erneuerbarer Energieträger und in Maßnahmen zur Energieeinsparung“, so Ingenieur Dal Savio. In enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Bozen, der EURAC, einer postuniversitären Einrichtung für angewandte Forschung, wird am TIS daran gearbeitet, neue Wege der Energiegewinnung zu erschließen und die alten zu verbessern. „Wenn es um die Anwendung erneuerbarer Energieträger geht, ist Südtirol auf europäischer Ebene gut positioniert“, so Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für erneuerbare Energien an der EURAC. „Das liegt natürlich auch an den geografischen Gegebenheiten: An der Berglage, am Wasserreichtum, am Rohstoff Holz und an den vielen Sonnenstunden.“ Alles Faktoren, die eine umweltschonende Energiegewinnung begünstigen. Ein weiterer, entscheidender Grund ist die Erfahrung. „Wasserkraftwerke gibt es hier beispielsweise seit fast 100 Jahren“, sagt Sparber. Die imposanten Kraftwerke Südtirols produzieren genug Strom, um nicht nur den Bedarf von Italiens nördlichster Provinz zu decken, sondern auch andere Provinzen mit Energie zu versorgen.

 

Südtirol ist energieautark, und die Südtiroler sind zu Recht stolz auf diesen Status. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die Biomasse Holz, ein Energiespender, der in den Häusern und Höfen seit jeher genutzt wurde. Mittlerweile produzieren moderne Biomassekraftwerke genug Wärme für ganze Dörfer. „Wir haben insgesamt über 60 Biomassefernheizwerke. Das heißt, dass die Wärmeenergie von fast jeder zweiten Gemeinde in Südtirol mit Biomasse erzeugt wird.“ Mit über 300 Sonnentagen im Jahr lässt sich auch mit Solartechnik und Photovoltaik gut Energie gewinnen: „Auf EU-Ebene sind lediglich 57 Quadratmeter Kollektorfläche pro 1.000 Einwohner installiert. In Südtirol haben wir etwa sechsmal so viele Sonnenkollektoren“, so Ingenieur Dal Savio. Und offensichtlich haben die Südtiroler kein Problem damit, sich dem Urteil internationaler Experten zu stellen. Im Gegenteil: Bei den „enertours“, die das TIS veranstaltet, können sich Fachleute, Studenten oder interessierte Privatpersonen anmelden, um sich Biomasse-, Wind-, Photovoltaikanlagen oder Klimahäuser – Häuser mit niedrigem Energieverbrauch – zeigen zu lassen. „Während wir 2008 insgesamt rund 1.000 Exkursionsteilnehmer hatten, haben wir allein im ersten Halbjahr 2009 bereits über 1.100 ,enertouristen‘ zu Südtirols Energieobjekten geführt.“

Das Interesse an nachhaltiger Energiegewinnung wächst, je stärker fossile Ressourcen schwinden und sich der Klimawandel bemerkbar macht. Südtirol hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 rund 75 Prozent an Wärme und Strom aus erneuer baren Energien zu generieren und damit eine Vorreiterstellung in Europa einzunehmen. Ein weiterer Gipfel, den es zu erklimmen gilt. Aber damit kommen Alpenbewohner klar. Und eines ist sicher: Egal, wie anstrengend es wird – den Südtirolern geht die Energie nicht aus.


Energiespender

Fragt man Menschen in Meran, Bozen oder Brixen, was ihnen Energie schenkt, dann lautet die spontane Antwort fast immer: die Berge. Die Berge prägen die Region, sie sind beständig, immer sichtbar. Wie vielfältig die Energiequellen in Südtirol aber tatsächlich sind, das zeigt sich erst, wenn man sich Zeit nimmt, ihnen nachzuspüren.

Der Wegbereiter
Der Bozner Dr. Christian Thuile ist ein Verfechter der Komplementärmedizin: Die Lösung liegt für ihn in einer Mischung aus wissenschaftlichen und alternativen Behandlungsmethoden. Zu den Bergen gibt es aber keine Alternative – gäbe es sie auf Rezept, würde er sie sicher regelmäßig verschreiben.

Der Stammhalter
Mit Holz zu bauen hat in Südtirol Tradition: Der nachwachsende Rohstoff ist günstig, stabil und macht Räume behaglich. Stefan Rubner, Präsident der Rubner Holding, sieht im Holz das Baumaterial der Zukunft. Er baut damit Klimahäuser.

Der unorthodoxe Heilige
Kraftort für die einen, Forschungsobjekt für die anderen: Über die Fresken in der kleinen Kirche St. Prokulus wurden schon viele Doktorarbeiten verfasst. Auch Kirchenführer Heinrich Koch haben sie in ihren Bann gezogen und seit über 30 Jahren nicht mehr losgelassen.

Der Umtriebige
Wasserkraft ist eine der wichtigsten Energiequellen in Südtirol. In der Troyer GmbH in Sterzing werden seit Generationen die Turbinen dafür gefertigt. Wenn Norbert Troyer nicht an einem Kraftwerk baut, dann fotografiert er. Sein Lieblingsmotiv: Wasserfälle.

Der Überzeugungstäter
Norbert Blasbichler ist auf dem Radoarhof groß geworden. Richtig zufrieden macht ihn das Leben als Bauer aber erst, seit er den elterlichen Betrieb auf Bio umgestellt hat. Seitdem setzt er auf alte Apfelsorten, wilde Kräuter und Marienkäfer. Und manchmal auch auf rote Rosen. 

www.natur.tirol.at

 
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