Häuser aus Stroh sind bislang noch eine Seltenheit. Dabei sind sie herkömmlichen Häusern in vielerlei Hinsicht überlegen. Sandstein, Holz oder Schilf – aus diesen und einigen Materialien mehr wurden früher in Deutschland Häuser gebaut. Man griff einfach auf das zurück, was vor Ort verfügbar war. In Nebraska, der „Kornkammer“ Amerikas, findet man weder Holz noch Stein, dafür Unmengen an Stroh. Vor 130 Jahren wagten daher einige Bauern den Versuch, Häuser aus Strohballen zu bauen.
Im ersten Moment klingt das wie eine skurrile Notlösung. Allerdings sind
einige der damals gebauten Häuser noch heute intakt und bewohnt. Das
beweist, dass Strohballenbau tatsächlich funktioniert. Heute finden sich
Strohhäuser überall auf der Welt, von Norwegen bis Neuseeland. In
Deutschland stehen gegenwärtig ungefähr 200 derartige Exemplare.
Stroh ist an sich ein Abfallprodukt der Landwirtschaft. Was nicht als
Einstreu in Ställen landet, wird untergepflügt oder verbrannt. Was den
Getreidehalm für den Hausbau interessant macht, erkennt man, wenn man
ihn aufritzt: Zwischen ringförmigen Verdickungen befinden sich
Luftkammern. Durch diese besitzt das Stroh ein hervorragendes
Dämmvermögen. Eine Wand aus 40cm dicken Strohballen erreicht Werte, wie
sie für ein Niedrigenergiehaus verlangt werden.
Styropor und andere industrielle Dämmmaterialien basieren auf demselben
Dämmprinzip des größtmöglichen Lufteinschlusses. Kann der Baustoff vom
Feld allerdings direkt und naturbelassen verbaut werden, müssen
künstliche Dämmstoffe energieaufwändig erzeugt werden. Wie sich manche
industriellen Materialien zudem auf die Gesundheit auswirken, ist
angesichts ihrer oft erst kurzen Einsatzzeit ebenfalls noch nicht zu
beantworten.
Die annähernd weltweite Verfügbarkeit des schnell nachwachsenden
Rohstoffs Stroh ist ideal angesichts der Knappheit vieler Rohstoffe.
Auch die Preise sind dadurch sehr niedrig und die Transportwege kurz.

Bedenken, dass ein Strohhaus ein Paradies für Nager oder anderes
unerwünschtes Getier sein könnte, sind unberechtigt. Durch den hohen
Pressgrad sind die Wände für Maus & Co. als Nistplatz unbrauchbar,
ebenso als Futterquelle, denn im Stroh befindet sich so gut wie kein
interessantes Getreidekorn mehr. So gibt es kein einziges bekanntes
Strohhaus, das mit Schädlingen je ein Problem gehabt hätte.
Dies liegt auch an der dichten Versiegelung mit Lehm, mit dem
Strohhäuser normalerweise beidseitig verputzt werden. Bereits in
Fachwerkhäusern hat sich die Kombination von Lehm und Stroh als ideal
offenbart. Ebenso wie Stroh ist Lehm in Massen und vielerorts verfügbar
und praktisch ohne Energiezufuhr einfach zu verarbeiten. Auf das Stroh
aufgetragen schützt er effektiv vor dem Eindringen von Schädlingen und
Feuchtigkeit, sorgt für ein konstantes Raumklima mit angenehmer
Luftfeuchtigkeit und unterstützt die Halme bei der Resistenz gegen
Feuer.

Denn auch dieser Punkt ist kein Knock-Out-Kriterium gegen ein Strohhaus.
Mehrere Versuche bewiesen, dass eine mit Lehm verputzte Strohwand, wie
sie in Häusern gebaut wird, einem Feuer 90 Minuten standhält. Damit
erfüllt sie die Brandschutzvorschriften einwandfrei und wird sogar als
schwerentflammbar eingestuft.
Die Lebensdauer eines Strohhauses ist mit 80-100 Jahren durchaus
zufriedenstellend. Und ist es dann doch einmal soweit, einem neuen
Gebäude Platz zu machen, können die Nachkommen das Haus einfach,
kostengünstig und vollökologisch noch thermisch nutzen oder
kompostieren.
Den natürlichen, günstigen und gut verarbeitbaren Materialien Lehm und
Stroh steht im Hausbau damit eine große Zukunft bevor.
"Wie ein Strohhaus gebaut wird und wie es sich darin lebt, erfahren Sie
im immobilien.de-Magazin, Ausgabe 01/10. Wir bedanken uns beim immobilien.de-Magazin für diesen Artikel." > Bauen mit Stroh (Link)
Link Tipp:
Fachverband Strohballenbau www.fasba.de
Italien-Urlaub im Strohballenbau
www.esserhof.com
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