Neuer Öko-Kodex soll Einzelhändler nachhaltiger machen. Ökologische Nachhaltigkeit soll bei C&A, Rewe, Metro, Kaufland und
13 weiteren großen europäischen Einzelhändlern in Zukunft eine
prominentere Rolle spielen.
Dazu haben sich die Konzernvorstände und
neun europäische Einzelhandelsverbände Ende Juni in einem gemeinsamen
Verhaltenskodex verpflichtet. In dem Papier versprechen sie mehr
Nachhaltigkeit beim Ressourceneinsatz, beim Transport ihrer Waren und
deren Entsorgung. Auch wollen sie Nachhaltigkeitsbewusstsein unter ihren
Kunden fördern, etwa durch Werbung für umweltfreundlichere Produkte.
Kritische Umwelt- und Sozialexperten sehen in dem Kodex keinen großen
Wurf. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik spricht dagegen von einem
„Meilenstein“.
„Mit dem Verhaltenskodex“, so Potočnik, zeigten die Einzelhändler, „dass sie sich der Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt bewusst sind“ und bereit seien, diese einzudämmen. Das sei eine „gute Nachricht für Verbraucher“, so der ehemalige Europaminister Sloweniens. Entwickelt wurde der Kodex im sogenannten Endkundenforum, einer vergangenes Jahr von der EU auf den Weg gebrachten Allianz europäischer Einzelhändler und ihrer Dachverbände zur Förderung der Nachhaltigkeit im Handel. Die Mitgliedschaft in dem Forum ist freiwillig.
Terry Leahy, Vorstandschef der britischen Einzelhandelskette Tesco und Unterzeichner des Kodexes, sagte: „Wir wissen, dass es noch mehr zu tun gibt, und ich bin zuversichtlich, dass die Einführung des Verhaltenskodex uns dabei helfen wird.“ Rainhardt von Leoprechting, Bereichsleiter Corporate Relations der Metro AG und Präsident des europäischen Handelsverbands EuroCommerce, verwies bei der Vorstellung des Kodexes auf die Mittlerfunktion des Handels zwischen Industrie und Verbrauchern. Dank dieser Position könne man „mit allen Beteiligten der Absatzkette neue nachhaltige Lösungen entwickeln“.
Auf Kritik stieß der neue Handelskodex bei der Nichtregierungsorganisation Oxfam und dem an der Universität Oldenburg lehrenden Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Pfriem. Pfriem erkennt zwar die Absicht der Branche an, sich auf europäischer Ebene für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren. „State-of-the-art“, so Pfriem, sei der Kodex aber nicht. Er habe nur „unverbindliche Absichtserklärungen“ in dem Papier gefunden, aber keine konkreten Ziele. Franziska Humbert, Expertin für Arbeitsrechte bei der Berliner Hilfsorganisation Oxfam, moniert das ebenfalls: „Unsere Erfahrungen mit freiwilligen Verhaltenkodizes im sozialen Bereich zeigen, dass viele Handelsunternehmen nicht halten, was sie versprechen.“
Europa.eu Presse
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