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Die wahren Visionäre unserer Zeit Drucken E-Mail

Expedition zu den Rettern der Erde. Raubtierkapitalismus, Sozialdarwinismus, Klimawandel – und dann? Nachhaltiger Wandel scheint nur durch einen totalen Paradigmenwechsel möglich. Der Journalist Martin Häusler über die brillanten Vordenker in seinem neuen Buch „Die wahren Visionäre unserer Zeit“ und warum wir uns sehr wohl Hoffnung auf eine bessere Welt machen können.

 

haeusler_visionaere.Ich halte es für skandalös, dass diese unbequemen Vordenker, die ich „Die wahren Visionäre unserer Zeit“ nenne, bisher so gut wie gar nicht in den meinungsbildenden Gazetten vorkommen oder in die politischen Talkshows eingeladen wurden, um über wirksame Lösungen für die Weltkrise zu diskutieren. Und es ist Zeugnis der Macht der Besitzstandswahrer, dass es diesen Frauen und Männern auf dem Wege zu einer neuen Erde oft sehr schwer gemacht wurde. Das alles könnte einen hoffnungslos werden lassen. Doch begegnet man diesen charismatischen und zumeist noch unbekannten Visionären persönlich, schaut man ein wenig über den eigenen Tellerrand hinaus, eröffnen sich plötzlich wieder Perspektiven.

Nachdem ich mal wieder lange, verschlungene Landstraßen tief in die Provinz nehmen und mich mehrmals verfahren musste, um die wahren Antworten auf die Krise zu finden, wollte ich es von meinem sechsten Visionär nun höchstpersönlich wissen: Warum sitzt die Weisheit oft so weit ab vom Schuss? Graf Georg Thurn-Valsassina, der im Herzen des niederösterreichischen Waldviertels auf einer von sattgrünen Fichten umstandenen Burg lebt, schaut hoch von seinem Serviettenknödel, und selbstverständlich hat er eine Erklärung. Weil sich nur dort die natürlichen Energien so rein auswirken und den menschlichen Geist befruchten wie befreien. Kein Wunder, so der adelige Vordenker, dass die vermeintlichen Trendsetter, die sich ihre Büros in den Szenestadtteilen der Großstädte suchen und Tür an Tür mit ihresgleichen denken und arbei­ten, auch auf die immergleichen Ideen kommen und auf der Stelle treten. Die Energien seien dort einfach dieselben.

Das ist interessant. Denn Thurn-Valsassina, zurzeit einer unserer progressivsten Architekten, spricht von einer unsichtbaren Kraft, die uns Menschen offenbar beeinflusst und inspiriert. Den Effekt hat wohl jeder schon einmal erfahren: Fernab vom Üblichen kommt man plötzlich auf völlig neue Gedanken. Thurn-Valsassinas Vision selbst hat mit jenen unsichtbaren Energien zu tun. Er will sie durch seine Bauwerke bündeln und dadurch das menschliche Bewusstsein positiv verändern, um doch noch im letzten Moment den Planeten zu retten. Das geht, sagt er, das lasse sich sogar wissenschaftlich beweisen. „Unsere Gesellschaft hat großen Be­darf, in die Harmonie zurückzufinden“, weiß Thurn. „Ein Hilfsmittel dafür ist die Architektur, denn sie hat große Bedeutung als Schwingungsträger. Das wird leider vollkommen unterschätzt. In alten Zeiten war dieses Wissen noch vorhanden. Heute hat man sich beim Bauen auf moderne Ästhetik und bloße Funktionalität festgelegt, sodass die Wirkung, die Architektur definitiv hat, nicht zur Geltung kommt. Dieser Trend begann schon in der Barockzeit. Die Fürsten und die Kirchen wollten protzen und zeigen, wer sie sind. Ich fürchte, da verloren die Bauwerke ihre Kräfte.“

Wer bei der unzureichenden Symptombekämpfung der globalen Megakrise ungeduldig und die stets gleichen Antworten leid geworden ist, der muss sich auf der Suche nach wirklich neuen und nachhaltigen Lösungsansätzen öffnen. Der kommt gar nicht umhin, das alte Weltbild, das uns in die Krise brachte, infrage zu stellen, es zu ergänzen und neue Horizonte zu erobern. Der muss auch das zulassen können, was vom Mainstream bisher argwöhnisch betrachtet wurde. Und seien es hilfreiche Kräfte, die man nicht mit bloßem Auge sieht, von denen kluge Menschen jedoch behaupten, dass sie existieren.

Mir war von vornherein klar, dass neben den genialen Umweltaktivisten, den unermüdlichen Menschenrechtlern, den cleveren Agrarwissenschaftlern und rebellischen Ökonomen auch diejenigen gehört werden müssen, die sich mit dem Feinstofflichen, Spirituellen und Philosophischen befassen. Denn auch das ist ein Teil des Lebens. Ein Teil allerdings, der in unserer auf materielles Wachstum getrimmten westlichen Welt in Vergessenheit geraten ist, zur Lösung der drängenden Probleme unserer Zeit aber in großem Maße beitragen könnte.

So gesehen hat die provinzielle Wohnsituation der Visionäre eine noch größere Bedeutung. Sagt doch der Philosoph Ervin Laszlo, den ich in der tiefsten Toskana aufspürte: „Wahrer Wandel ging nie vom Mainstream aus, sondern passierte immer erst an den Rändern.“ Die 15 Visionäre, die ich weltweit besuchen durfte, kommen von diesen Rändern. Niemals haben sie sich gemein gemacht mit dem Herkömmlichen oder zufrieden gegeben mit den bisherigen Antworten. Zwar hatten und haben es die Randgestalten immens schwer, die Ideen jedoch, die sie in der Peripherie entwickeln konnten, sind atemberaubend. Und wann, wenn nicht im Zuge einer sich verschärfenden globalen Krise, wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, um die probaten Lösungen endlich von den Rändern in den Mainstream zu holen.

Da ist der Mikrobiologe, der dem drohenden Ernährungskollaps mit vertikal in die Höhe ragenden Agrartürmen entgegentreten will. Da ist der Biophysiker, der eine wirksame und daher von der Pharmaindustrie bekämpfte Erfindung gemacht hat, die tödliche Krankheiten besiegen kann. Da ist der Manager, der die zum Teil hochschädliche Massenkosmetik leid ist und mit einer selbst kreierten reinen, schamanistischen Kosmetiklinie das Energiefeld der Menschen klären will. Da ist das Ehepaar, das sein Leben einer völlig nachhaltigen, aber bisher ungenutzten Energieform opfert, die die Menschheit aus der Abhängigkeit von Öl, Kohle und Atomstrom herauszubringen vermag: der überall im Äther vorhandenen freien Energie. Da ist der Gründer des Alternativen Nobelpreises, der mit dem E-Parlament, einem globalen Online-Netzwerk demokratisch gewählter Abgeordneter, ganz konkret in die ökologische Gesetzgebung eingreift. Da ist das Wunderkind, das seit seinem vierten Lebensjahr unermüdlich gegen die Armut kämpft. Da ist der Ökonomie-Nobelpreisträger, der sieben Monate im Jahr unterwegs ist, um für eine neue Weltwirtschaftsordnung zu werben und die Ungerechtigkeiten der Globalisierung zu zertrümmern.

Wie auf der Burg von Georg Thurn-Valsassina, dessen hochenergetisch konstruierte Bauwerke – Bürogebäude, Kapellen, Banken – auch Skeptikern spürbar beweisen, dass sich menschliches Bewusstsein und Verhalten beeinflussen lassen und einen Wandel in Richtung einer sozialen und gerecht handelnden Weltgemeinschaft einleiten können. Die wirkliche Renovierung des Systems Menschheit läuft noch nicht, da ist sich der Architekt sicher. Der Schock der multiplen Krisen sitze womöglich nicht tief genug. Noch sieht er zwei Energien gegeneinander arbeiten, die alte und die neue. „Die Lust derer, die Milliarden scheffeln, ist so groß, dass sie nicht loslassen. Es wird nur drauf gewartet, nach der Krise die alten Systeme wieder herzustellen“, sagt er. „Der Eindruck hat sich verschärft, dass wir alle Manipulierte sind, die mit aller Kraft von wenigen Fadenziehern unten gehalten werden. Der Normalgebildete hat aber ein Anrecht darauf zu erkennen, was mit ihm passiert. Ich mache den Menschen Mut, sich auf die Energien einzulassen, die in das neue Bewusstsein der Selbst- und der Welterkenntnis führen. Es lohnt sich, denn in dem neuen Weltbild sind wir selbst mit allem verbunden. Wir haben durch unseren Geist die Kraft, Einfluss zu nehmen auf den Schöpfungsprozess. Damit trägt der Mensch evolutionäre Verantwortung. Der freiwerdende Geist hat alles Potential in sich. Das gilt es zu mobilisieren.“
Für solche Statements lohnen sich Reisen selbst in die tiefste Provinz. Und vielleicht ist unsere Gesellschaft ja inzwischen so durchlässig für das „Neue von Rändern“ geworden, dass Leute wie Georg Thurn-Valsassina bald auch in den Talkshows sitzen werden und zur Masse sprechen dürfen.
 
 
Martin Häusler
Die wahren Visionäre unserer Zeit


Gebundene Ausgabe mit mit Schutzumschlag
416 Seiten, Format 13,5 x 21,5 cm
21,95 € (D) 22,60 € (A) / 37,90 sFr
ISBN 978-3-942166-02-7, WG: 1937
Erscheinungsdatum Februar 2010
Scorpio-Verlag

 
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