Der Dokumentarfilm "Die 4. Revolution – Energy Autonomy" von Carl-A.
Fechner steht für eine mitreißende Vision: Eine Welt-Gemeinschaft,
deren Energievorsorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen
gespeist ist – für jeden erreichbar, bezahlbar und sauber. Technologien
und Potenziale sind weltweit vorhanden. Wir müssen es nur tun!
Wie – das zeigt Carl Fechners Film anhand faszinierender Bilder und
hoffnungsvoller Beispiele aus elf Ländern: Der Umbau des älteren
Mietshauses zum Super-Energiespargebäude schafft Arbeitsplätze und
glückliche Mieter. Alternative Energiekonzepte revolutionieren die
Autoindustrie und lassen Flugzeuge fliegen. Die Sonne sichert Familien
in Mali und Bangladesh die Existenz. High-Tech-Solaranlagen versorgen
ganz Los Angeles.
Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer Carl-A. Fechner und sein
Team begleiteten engagierte Prominente, sprechen mit Top-Managern,
afrikanischen Müttern und ambitionierten Aktivisten. Am Ende des
hochaktuellen Films kann für alle ein neuer Anfang stehen: Die 4.
Revolution – Energy Autonomy! Freie Energie für alle!
Video
ENERGY AUTONOMY - The 4th Revolution
Link Tipp:
Wikipedia
Zukunft
der Energieversorgung
AUFBRUCH IN DIE 4. REVOLUTION - INTERVIEW
Herr Fechner, wie und wann begann für Sie der Aufbruch in die 4. Revolution?
Hermann Scheer, den ich seit langem kenne und als kämpferischen,
starken und gradlinigen Mann schätze, rief mich im Januar 2006 an.
„Kennst du mein neues Buch?“, fragte er. Und dann erzählte er mir zwei
Stunden lang von „Energy Autonomy“. Ich war fasziniert. Das Thema
erschien mir so groß, dass es einen Kinofilm rechtfertigte, der eine
lösungsorientierte Vision zeigt und nicht die Katastrophe beschwört.
Wir suchten nach einer Dramaturgie, die jeden anspricht, denn dieses
Thema muss global angegangen werden. Energy Autonomy – das ist die
Klammer, die Milliarden von Menschen vereinen kann! Sie können ihr
Leben selbst in die Hand nehmen und Ungleichheiten überwinden. Wir
zeigen dabei nicht nur das technologisch Machbare, sondern
gesellschaftpolitische Lösungen. Ich bin überzeugt, wir können durch
Energy Autonomy mehr Gerechtigkeit, weniger Krieg und die Überwindung
der Armut erreichen. Und das ist revolutionär!
Sie forschen seit langem nach Vorbildern für nachhaltiges Handeln. Wo liegt das Schlüsselerlebnis für Ihren Film?
Noch immer haben zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom! Als
ich vor 30 Jahren als 26jähriger Student der Medienpädagogik in Burkina
Faso in einem Dorf für meine Diplomarbeit forschte, musste ich meine
Aufzeichnungen nachts mit der Taschenlampe machen. Noch heute sitzen
die Menschen ohne Strom da. Ich bin überzeugt, die überfällige
Veränderung gibt es nur mit dem dezentralen Einsatz Erneuerbarer
Energien.
In der 4. Revolution ist unser Ansatz, hoffnungsvolle Lösungen
anzubieten. Dieser spezielle Blickwinkel wurde bei mir durch den 2.
Irakkrieg 1990, 1991 initiiert. Wir waren damals die einzigen
Journalisten, die unabhängig in engem Kontakt mit der Friedensbewegung
für öffentlich-rechtliche Sender berichteten. Nach und nach kriegst du
mit, dass du auch als Friedensfilmer für Kriegsgeschichten engagiert
wirst, wenn auch mit einem anderen Blick. Da wurde mir klar: Wenn du so
weitermachst, wirst Du Teil des Systems. Wir entwickelten also einen
anderen Blick auf die Themen und luden die Zuschauer ein, an positiven
Entwicklungen teilzunehmen.
Und wann begann konkret die Reise in die 4. Revolution?
Gedreht haben wir von September 2008 bis Februar 2009 an insgesamt 60
Tagen und in elf Ländern. Aber die Vorarbeit ging natürlich viel eher
los: Wir haben zunächst weltweit recherchiert mit Experten: Welche
Menschen verkörpern unsere Themen wahrhaftig? Parallel dazu musste das
finanzielle Konzept der Basisbeteiligung entwickelt werden. Heute sind
wir der Überzeugung, dass wir die entscheidenden Protagonisten auf der
Erde gefunden haben, die das Thema in ihrer ganzen Tiefe durchdrungen
haben. JedeR ProtagonistIN steht für einen Teil des gesamten Themas.
Welche Begegnung, welches Ereignis hat Sie bei den Dreharbeiten persönlich am meisten beeindruckt?
Am meisten beeindruckt hat mich Muhammad Yunus mit seinen Mikrokrediten
für arme Menschen. Das ist das tollste Projekt, die Frauen sind toll.
Die lösen das Problem wirklich in ihrem Land, in ihrem Dorf, in ihrer
Hütte. Das ist ein Aufbruch in einem islamischen Land in jeder
Hinsicht. Das funktioniert!
Oder nehmen Sie unser Beispiel aus Baden-Württemberg. Wir zeigen die
Renovierung eines ganz normalen durchschnittlichen Hauses. Das kann
überall stehen. Es wird so umgebaut, dass es 40 Prozent weniger fossile
Energie verbraucht. Die Mieter sind glücklich. Sie sparen enorme
Betriebskosten und leben in einer verbesserten Wohnqualität.
KINO ALS INITIATIV- UND EVENTRAUM
Wie war Ihr formal-ästhetischer Anspruch beim Dreh?
Wir arbeiten mit einer, für einen Dokumentarfilm relativ großen und
zudem erstklassigen Crew. Sorin Dragoi ist sicher einer der besten
Kameramänner, ein engagierter Filmästhet mit Spielfilm-Erfahrung. Unser
hochmodernes Kamerasystem SI-2K erlaubte, dass wir auch in
Geschwindigkeit kraftvolle Bilder, ungewöhnliche Perspektiven filmen
konnten. Damit ist zum Beispiel auch Slumdog Millionaire gedreht
worden. Mona Bräuer zeigt im Schnitt ihre herausragende Doku-Kompetenz.
Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Ist das Kino der richtige Ort für solch ein politisches Manifest?
Das Kino ist für mich der ideale Schauplatz, ein Eventraum, in dem ich
mit vielen Menschen ein gemeinsames Erlebnis habe. Diesen Ansatz nutzen
wir und treiben ihn voran. Die 4. Revolution ist mehr als ein Film, es
ist der Beginn eines Aufbruchs, eines persönlichen Aufbruchs. Der Film
liefert Handlungskompetenz für jeden Besucher und kann – eingebettet in
die Event-Kampagne – zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Und: der
Film ist ja nicht nur Manifest, sondern zeigt grandiose Bilder, zeigt
auch schwache Momente starker Personen und erzählt berührende
Geschichten. Begleitet wird die Reise um die Welt von Musik, die
großteils von der russischen Filmmusikerin Natalia Dittrich für die 4.
Revolution komponiert wurde.
Für das Kino spricht auch, dass ich im Kino mehr Freiheiten als im TV
habe, auch ästhetischer und dramaturgischer Art. Im Fernsehen gibt es
Machtstrukturen, die manches erschweren. Es war wichtig, eine
vollständig unabhängige Produktion zu gewährleisten – bis hin zum
Filmverleih.
Ihre Protagonisten geben sich über die Kontinente hinweg gewissermaßen
die Klinke in die Hand. Ein Symbol der „Community“, das weltweite Netz?
Ja, das ist ein reales und virtuelles Netz. Die kennen sich
untereinander – mehr oder weniger intensiv. Dieses Netz soll der Film
weiterknüpfen. Sie können sich vorstellen, dass dieser rote Faden
über alle Kontinente ein sehr aufwändiger dramaturgischer Ansatz war.
Aber es hat sich gelohnt – nicht nur für die Dramaturgie, auch für
die Protagonisten. Dass sie miteinander in den Dialog gingen, sich
über die Kontinente hinweg die Hand gaben und die Zusammenarbeit
bekräftigten, das hat manchem Kraft gegeben, zum Beispiel Ibrahim
Togola bei seinem Besuch in Bangladesch.
Könnte aufgrund der zahlreichen Sponsoren der Eindruck entstehen, dass Sie sich zum Sprachrohr einer bestimmten Richtung machen?
Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Fundraising und Inhalt. Wir haben
mit unseren Sponsoren vertraglich abgesichert, dass sie keinen Einfluss
nehmen können. Und das haben sie auch nicht getan. Die Inhalte zählen.
Und das kommunizieren wir auch offensiv!
Wer finanziert die Produktion?
Das sind Einzelpersonen und Gruppierungen: die SPD-Ortsgruppe ebenso
wie der Waldorfschule, der Chef einer Schokoladenfabrik ebenso wie
unser Hauptsponsor. 130 Entscheidungen von Menschen mit
unterschiedlichstem Potenzial. Wir sind stolz darauf, dass wir unseren
dezentralen Ansatz im Film auch für dessen Finanzierung umsetzen
konnten. Das ist eine unabhängige Produktion im besten Sinne. Zur
Überraschung ALLER ist dieses Finanzierungskonzept aufgegangen – nicht
ausschließlich ein Millionär als Sponsor, sondern eine ganzheitliche
Basis, die unsere EnergyAutonomy-Community stützt.
100 REGIONALE EVENTPARTNER
Welches Ziel hat Ihre Event-Kampagne?
Der Film ist Mittel zum Zweck und bietet eine faszinierende, im
Filmbereich ganz neuartige Möglichkeit, Veranstaltungen rund um das
Thema neue Energien zu initiieren. Wir werden allein in Deutschland 100
Orte haben mit aktiven Eventpartnerschaften. Wir bieten engagierten
Menschen in den Regionen den Film an, um ihre eigenen Belange zu
unterstützen: Menschenrechtsgruppen, Energieberater, Kirchengruppen,
Solarhandwerkern vor Ort, Umweltaktivisten. Sie bewerben sich bei uns
nach bestimmten Vorgaben und werden für eines der 100 regionalen
Kino-Events ausgesucht. So haben die Leipziger beispielsweise gesagt:
„Wir machen mit. Schließlich kann keine friedliche Revolution an
Leipzig vorbeigehen!“ Es werden vorhandende Strukturen aufgegriffen und
wiederbelebt. Es gibt einen neuen Anlass für runde Tische und
Aktionsbündnisse. Das Ergebnis hat uns alle überwältigt.
Zum Zeitpunkt dieses Interviews nach 35 Kampagnentagen gibt es bereits Aktivitäten in fast 50 Städten.
Wann starten Sie die Kampagne?
Sie läuft ja bereits. Die ausgesuchten Eventpartner werden zum 30.
Januar 2010 nach Berlin zum Kickoff-Meeting eingeladen. Das Interesse
ist groß. Wir arbeiten auf Hochtouren. Die Gruppen werden auf die
regionalen Premieren vorbereitet. Sie laden örtliche VIPs ein und
können mit Firmen, Vereinen oder Parteien themenspezifische
Veranstaltungen organisieren. Der Kreativität sind keine Grenzen
gesetzt.
Gleichzeitig arbeiten sie mit örtlichen Kinos zusammen. Die
Kinobetreiber sind sehr angetan von dieser Idee, das Kino als
Initiativ- und Eventraum zu nutzen. Nicht nur aus monetären Gründen.
Viele Kinobesitzer sind politisch engagiert. Auch weil diese
Event-Kampagne etwas Neues darstellt. Wir bieten Anlass und Rahmen –
und dann muss jeder selber losgehen.
Bleibt Ihr Team für die Kampagne nachhaltig bestehen?
Wir initiieren die regionalen Eventpartnerschaften und begleiten sie
bis zur Premiere. Dann müssen sie auf eigenen Füßen weiter laufen. Wir
werden zu vielen Orten reisen und Vorträge halten. Es soll für jeden
Kinobesucher ein Faltblatt geben mit den 10 besten Energie-Tipps zur
sofortigen Umsetzung und den aktuellsten Informationen zum Thema
Erneuerbare Energien.
PROTAGONISTEN AUCH WEITER DABEI
Sind Sie und Ihr Team Weltverbesserer?
Wir wollen motivieren, initiieren, aktivieren – ohne missionarischen
Eifer. Hier arbeiten viele Menschen jeden Alters, die noch eine Idee,
eine Vision haben – sei es im Bereich Umwelt, Frieden oder
Menschenrechte. In der Bewegung gibt es auch Leute, die auf die Straße
gehen. Und niemand sollte diese Bewegung unterschätzen.
Sie arbeiten im Film mit viel Prominenz – von Hermann Scheer über
Nobelpreisträger Muhammad Yunus bis hin zur Umweltaktivistin Bianca
Jagger. Waren die Protagonisten sofort gesprächsbereit?
Viele der Protagonisten, die Sie heute im Film sehen, sagten: „Darauf
haben wir gewartet!“ Aber: Die Bereitschaft war nicht das Problem,
sondern die Zeit. Diese engagierten Menschen arbeiten 80, 90 Stunden
die Woche, sind pausenlos unterwegs. Scheer fliegt von Shanghai nach
Los Angeles nach Berlin und dazwischen: Journalisten, Vorträge,
Preisverleihung, Filmdreh…
Sind Ihre Interviewpartner auch über den Film hinaus in Ihrer Kampagne verankert?
Wir sind nach wie vor mit ihnen im Gespräch. Da gibt es ein großes
Interesse, sich zu zeigen und mit den Menschen zu sprechen. Auch Bianca
Jagger hat dies ausdrücklich angeboten. Hermann Scheer wird Einladungen
annehmen und auch Juwi-Chef Matthias Willenbacher ist für
Veranstaltungen ansprechbar, ebenso wie Maximilian Gege vom
Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.)
e. V.
Für mich ist es ein Geschenk, all diesen Menschen begegnet zu sein. Die Kontakte bleiben.
Wie lange wollen Sie dran bleiben am Thema ... oder gibt es schon ein neues Filmprojekt?
Dies ist mein Lebensthema geworden. Wir werden wohl das gesamte Jahr
2010 mit dem Film und der Eventkampagne verbringen. Für mich mündet es
direkt in das Thema „Glück“ – und damit wird sich dann vielleicht mein
nächstes Kinoprojekt befassen. Aber in diese Entscheidung werde ich
sicherlich unsere Freundinnen und Freunde in der Community
miteinbeziehen. Wie unsere Energieversorgung ist auch Glück kein
Schicksal, sondern etwas, was wir selbst gestalten können. Da gibt es
Zusammenhänge. Wenn unsere Kampagne mithelfen könnte, zwei Milliarden
Menschen mit Strom zu versorgen – das wäre für mich Glück.
Homepage
des Films:
www.4-revolution.de

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