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Warum es ums Ganze geht
Seite 2

Viele Menschen treibt die Sorge um, dass die zahlreichen globalen Krisen und Verwerfungen unserer Zeit überhandnehmen und zunehmend unser Leben bestimmen: Ob Kriege, Klimawandel oder ökonomische Krisen – die Verunsicherung und Ratlosigkeit ist groß, die alten Patentrezepte von Wachstum und Wohlstand scheinen nicht mehr zu greifen. Kein Zweifel, wir leben in einer Welt im Umbruch.


Neues Denken für eine Welt im Umbruch. Entsprechend grundlegend und drängend sind die Fragen, mit denen wir konfrontiert sind: Wie wird der Klimawandel nicht nur die Natur, sondern auch unsere Gesellschaften verändern? Welchen Lebensstil werden wir uns in Zukunft leisten können? Wofür reichen die Ressourcen – die natürlichen wie auch die geistigen? Werden die kriegerischen Auseinandersetzungen zunehmen? Warum können wir nicht alle in Frieden leben? Wird es noch Gerechtigkeit unter den Menschen und gegenüber der Natur geben? Wer kümmert sich eigentlich um die Zukunft?


duerr Bevor wir eine vorschnelle Antwort auf all diese Fragen geben, müssen wir uns vielleicht zunächst von einer grundlegenden Illusion verabschieden. Dies meint jedenfalls der Physiker und Querdenker Hans-Peter Dürr: »Wir denken immer noch in den Strukturen des 19. Jahrhunderts und kleben an der Illusion, dass es mit List und Tücke gelingen wird, die Welt in den Griff zu bekommen.« In dem vorliegenden Buch, in dem Dürr eine Gesamtschau seines Denkens gibt, zeigt der engagierte und kritische Naturwissenschaftler eindrucksvoll auf, dass all das Aussein auf »Beherrschung« von Natur und Gesellschaft fatal in die Irre führt. Nicht nur, dass wir ständig scheitern. Wer »beherrschen« will, verstellt sich auch den Blick für die vielfältigen Möglichkeiten, im Einklang mit der Natur – auch mit der eigenen Natur – zu leben und endlich tätig zu werden. »Teilhabe statt Beherrschung« lautet die Zukunftsvision von Hans-Peter Dürr.

»Wir haben lange genug an den Ästen gesägt, auf denen wir sitzen. Jetzt wird es Zeit, unseren Platz im Ganzen der Natur neu zu definieren und uns endlich als Teil eines Gesamtprozesses zu verstehen und damit die Chance zu ergreifen, dass jeder und jede von uns einen Teil dazu beitragen kann, das Lebendige lebendiger werden zu lassen.«

Hans-Peter Dürr appelliert damit zugleich an die Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns. Eine Verantwortung, die getragen ist von dem Bewusstsein  und dem Gefühl allseitiger Verbundenheit und die immer wieder neu gestärkt wird über Kommunikation und einen offenen Dialog miteinander: eine ermutigende Vision, dass eine würdige Zukunft für alle möglich ist. Gewiss, die Strukturen der globalisierten Markwirtschaft, der nationalen wie internationalen Politik, der sozialen Institutionen und die Organisation des Gemeinwohls sind nicht von heute auf morgen umzukrempeln.
Sie wirken wie »unlebendige« Gegner, nicht geeignet, ein wirkliches Gegenüber auf Augenhöhe zu sein. Aber: Hinter all diesen scheinbar uneinnehmbaren, behäbigen Monumenten stehen letztlich Menschen. Menschen, die sehr wohl Einfluss darauf haben, wie aus den Mauern der Macht so etwas wie »grüne Hecken« werden können, die durchlässig und somit offen sind für ihre Bearbeitung durch eine zivile Gesellschaft.


Hans-Peter Dürr gehört zu der Generation von Wissenschaftlern, die von der Quantenphysik geprägt wurden. Als langjähriger Mitarbeiter des  Nobelpreisträgers Werner Heisenberg hat er die Entstehung der neuen Physik und die Ausformulierung ihres neuen Weltbildes »hautnah« mit erleben und mitgestalten können. Für ihn sind es vor allem zwei Grundeinsichten der neuen Physik, die auch für die Lösung unserer heutigen Probleme wegweisend sind:
Zum einen der Zusammenbruch unseres materialistischen Weltbilds durch die überraschende physikalische Erkenntnis, dass Materie nicht aus Materie aufgebaut ist und damit die Grundlage unserer Welt nicht materiell, sondern geistig ist. Und zum anderen die Einsicht, dass in der Natur letztlich alles mit allem auf höchst subtile Weise zusammenhängt und es daher gilt, aus dieser universellen Verbundenheit heraus zu denken und zu handeln. Es zeichnet Hans-Peter Dürr aus, dass es ihm gelingt, diese abstrakten, von der neuen Physik gespeisten Einsichten auch für den politischen und persönlichen Alltag fruchtbar zu machen und in einer bilderreichen Sprache aufzuzeigen, wie dieser holistische Ansatz unser Denken, Fühlen und Handeln tiefgreifend beeinflusst und uns hilft, den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden.

Die Entstehung dieses Buches wurde immer wieder unterbrochen durch längere Vortragsreisen von Hans-Peter Dürr, diesmal in Japan, China und Indien. Noch immer ist der 1929 geborene und weltweit viel gefragte Wissenschaftler und Vortragsredner unterwegs – mal in der Ferne, mal vor Ort. Der Gang in eine Schule um die Ecke ist ihm genauso wichtig, oft sogar wichtiger, wie Einladungen zu hoch offiziellen Treffen von Wirtschaft und Politik. Wobei er auch diese Chance nutzt. »Infizieren« nennt Dürr die Möglichkeit, in Kreisen von Entscheidungsträgern zu sprechen. Wer ihm, dem Träger des Alternativen Nobelpreises, jemals bei einem dieser Anlässe und Vorträge begegnet ist, hat die Erfahrung gemacht, dass man sich seinen anschaulich und lebendig vorgetragenen Argumenten für ein Umdenken kaum entziehen kann.

Die zentralen Themen, die sich wie ein roter Faden durch seine Vorträge wie auch durch dieses Buch ziehen, sind Gewalt (»Frieden ist möglich«), Atomenergie (»russisches Roulette«) und im Angesicht des Ressourcenverbrauchs und Klimawandels die Fokussierung auf den persönlichen Lebensstil (»Was brauchen wir wirklich?«). Den geistigen Hintergrund bilden jeweils die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der modernen Physik, die bislang kaum Eingang gefunden haben in unser Alltagsverständnis von Wirklichkeit und Natur. Das vorliegende Buch ist eine Gesamtschau seiner Gedanken, die auch die biografischen Hintergründe für das Denken von Hans-Peter Dürr beleuchtet und von seinen Begegnungen mit Personen wie Hannah Arendt, Edward Teller, Werner Heisenberg oder Michail Gorbatschow berichtet.


Wir haben Hans-Peter Dürr in den vergangenen Jahren immer wieder bei Vorträgen und Diskussionsrunden erlebt. Oft haben wir uns die Frage gestellt, was die Menschen, vor allem junge Menschen, so an ihm fasziniert? Warum löst sein Credo eines »liebenden, lebendigen Dialogs« so viel Zustimmung aus? Wahrscheinlich spricht Hans-Peter Dürr einen Teil in uns an, den wir für verschüttet gehalten haben, nämlich die Ahnung, dass es außerhalb der von Menschen behaupteten Macht und konstruierten Ordnung auf unserem Globus noch etwas anderes gibt: eine realisierbare Vi sion einer solidarischen, achtsamen Gesellschaft. Lokale und weltumspannende Netzwerke bilden bereits heute ein spürbares Gegengewicht zum globalen Irrsinn und bereiten den nachhaltigen Umbau unserer Zivilisation vor. Hans-Peter Dürr erinnert uns an diesen verloren geglaubten Traum, er macht Mut und weckt in uns die  begründete Hoffnung, dass wir Menschen das Potenzial haben, die Probleme unserer Zeit heute und in Zukunft gemeinsam und friedlich lösen zu können.

> Buch im LOHAS-Shop

Dietlind Klemm und Frauke Liesenborghs
Zu den Herausgeberinnen:
Dietlind Klemm, Journalistin, leitet im Chateau d'Orion im Südwesten von Frankreich die Gesprächs reihe »Lebenswerke«. Hans-Peter Dürr war im Sommer 2008 eine Woche lang dort zu Gast. Frauke Liesenborghs, Journalistin und Soziologin, seit achtzehn Jahren Geschäftsführerin von Global Challenges Network e.V., gegründet von Hans-Peter Dürr.

Links:

Verlage für Nachhaltigkeit und Ökologie - www.oekom.de

 

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» 1 Kommentar
1Kommentar
am Samstag, 28. August 2010 11:25von Gertrude Stein
Die Umdenkideen sind in der Neuzeit aus der Erweckung des geistigen mitgeborenen Inhaltes an alle Menschen zu übergeben. 
Mutter Gertrude schreibt in gleichnishafter Weise dieses Wissen nieder und sucht einen Verleger der diese Schriften hinausgibt um sich als Vernetzer einer goldenen Zeit, die aus der Wassermannzeit eingestrahlt wird, zu zeigen.  
Siehe  
www.muttergertrude.net
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